„Störungen haben Vorrang“ – Wie Dorothea Vogel Schüler*innen unterstützt

Dorothea Vogel arbeitet seit Mai 2024 als Schulsozialarbeiterin in der Realschule in Bönnigheim.

Dorothea Vogel arbeitet seit Mai 2024 als Schulsozialarbeiterin in der Realschule in Bönnigheim.
 

Frau Vogel, was hat Sie motiviert, in der Schulsozialarbeit zu arbeiten? 

Kinder verbringen sehr viel Zeit in der Schule. Da ist es wichtig, dass sie Unterstützung bekommen, die über den Unterricht hinaus-geht. Schulsozialarbeiter*innen sind neutrale Vertrauenspersonen, die die Kinder unterstützen, ohne dass der schulische Leitungsdruck eine Rolle spielt. Mir hat es schon immer gefallen, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten. Es geht mir darum, den ganzen Menschen zu betrachten, mit allen Bedürfnissen, Wünschen und Zielen und nicht nur das lernende Kind. Dafür fehlt oft systembedingt die Zeit im Schulalltag. 
 

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus? 

Jeder Tag ist anders. Ich plane Gesprächstermine mit den Schüler*innen, was von der Schule sehr unterstützt wird. Sie dürfen auch während des Unterrichts stattfinden, ganz nach dem Grundsatz „Störungen haben Vorrang“. Viel entsteht aber spontan. Die Schüler*innen sprechen mich an, bitten mich, Streits zu schlichten oder haben Fragen. Auch mit den Lehrer*innen bin ich viel im Austausch, berate oder gebe Input. Offene Angebote möchte ich zukünftig mehr anbieten, aber derzeit besteht der größte Teil meiner Arbeit aus Einzelgesprächen, mit Schüler*innen, aber auch mit Eltern.
 

Um welche Themen geht es?

Die Fünft- oder Sechstklässler wünschen sich oft Unterstützung in der Konfliktklärung oder es geht um Fragen rund um Freundschaften. Bei den älteren Schüler*innen geht es auch stärker um die Familie, weil sie in dem Alter merken, dass es nicht bei allen so ist, wie bei ihnen. Hinzu kommen Fragen zu Zukunft und Beruf. Es kommt auch vor, dass Kinder- und Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten oder Selbsttötungsabsicht Beratung bei uns suchen. 
 

Was brauchen die Kinder am meisten? 

Ein offenes Ohr. Zuhören, ernst nehmen – gerade Jugendliche haben oft das Gefühl, dass sie die Einzigen sind, die Probleme haben. Wir fangen auf, unterstützen, überbrücken und vermitteln die Schüler*innen weiter, zum Beispiel an Beratungsstellen wie die psycho-logische Beratungsstelle in Ludwigsburg. 
 

Was sind die größten Herausforderungen? 

Neben den allgemein knappen Ressourcen von Schulen (räumlich, personell, materiell) empfinde ich persönlich Handys, Social Media und WhatsApp als große Herausforderung. Das ist extrem fest in der Lebenswirklichkeit der Schüler*innen verankert. Streits werden in WhatsApp-Gruppen ausgetragen, alles wird gefilmt – das ist ein ganz großer Teil unserer Arbeit. Gerade bei Schüler*innen mit hohem Medienkonsum beobachte ich auch eine häufigere Interessen- und Hobbylosigkeit. 
 

Was motiviert Sie persönlich für Ihre Arbeit?

Mir liegt der Einzelkontakt besonders, also eine vertrauensvolle Beziehung zu den Schüler*innen aufzubauen und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Es freut mich, dass sie gern zu uns kommen und unser Angebot annehmen.

 

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