Damit Schulen nicht nur Lern-, sondern Lebensorte sind

Schulkindbetreuung heißt auch, gemeinsam Hausaufgaben zu machen

Die Bedeutung von Schulsozialarbeit wird oft unterschätzt – gerade von der Politik. Präventive sozialpädagogische Arbeit in den Schulen sorgt dafür, dass weniger Probleme auftauchen oder sie frühzeitiger erkannt und entschärft werden können. Kürzungen in diesem Bereich werden besonders häufig diskutiert, was sich nur durch eine Politik erklären lässt, die schneller Maßnahmen ergreift, wenn die Probleme bereits da sind, als präventiv zu handeln.

 

Volle Lehrpläne, Leistungsdruck und Lehrer*innen, die wenig Zeit haben, neben dem durchgetakteten Unterricht auf die persönlichen Themen der Kinder einzugehen: da kann der soziale Zusammenhalt auf der Strecke bleiben und Ängste oder Konflikte zwischen den Schüler*innen entstehen. Genau hier setzt die Schulsozialarbeit an. „Wir arbeiten an den Rahmenbedingungen, damit gutes und konzentriertes Lernen möglich ist“, sagt Katharina Dirnberger, Fachbereichsleitung Jugend und Familie.

Konzentriertes Lernen ist nur möglich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

 

Was beschäftigt die Schüler*innen? Welche Sorgen haben sie? Leiden sie unter Leistungsdruck, Mobbing, psychischen Problemen oder Schulangst? Das versuchen ihre Mitarbeiterinnen herauszufinden, damit aus dem Lernort Schule auch ein Lebensort wird, den die Kinder gern besuchen und der ihnen Sicherheit bietet. „Mathe, Deutsch und Englisch sind nicht alles. Genauso wichtig sind Verantwortungsgefühl, Mitgefühl und Respekt voreinander“, sagt die Fachbereichsleiterin.

Im Schulzentrum Bönnigheim arbeiten ihre drei Mitarbeiterinnen an den drei auf dem gemeinsamen Campus angesiedelten Schulen. Finanziert werden die Stellen von der Stadt Bönnigheim. Die Angebote unterscheiden sich für Grundschule, Realschule und Gymnasium, die Themen sind ähnlich: Gewaltprävention, Werte und Normen oder sozialer Zusammenhalt. 

Bei den jüngeren Kindern gibt es mehr Angebote in den Klassen oder auch gemeinsame Aktivitäten. Häufig bitten Erziehungsberechtigte und Lehrer*innen um Unterstützung für einzelne Kinder. Ein großes Thema ist es, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, bevor sie auf eine weiterführende Schule wechseln. 

Die älteren Schüler*innen ab der fünften oder sechsten Klasse suchen häufiger selbst den direkten Kontakt und bitten um Einzelgespräche. „Die Themen sind vielfältig. Das können Probleme mit den Eltern, Leistungsdruck, Mobbing, psychische Erkrankungen oder Schulabsentismus sein. Wir sind die erste Anlaufstelle für die Schüler*innen und vermitteln sie weiter, wenn wir nicht selbst helfen können“, sagt Katharina Dirnberger.

Schulkindbetreuung kann nicht die Schulsozialarbeit ersetzen.

 

Zusätzlich engagieren sich die Schulsozialarbeiterinnen in den Klassenräten, sind bei Elternabenden dabei oder unterstützen die Lehrer*innen, indem sie Vorträge zu Themen wie Mediensucht oder Kinderschutz organisieren. Die Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und Lehrkräften ist eng und vertrauensvoll. Bei akutem Bedarf dürfen die Schüler*innen auch während des Unterrichts zu Einzelgesprächen kommen.

Diese Flexibilität wünscht sich Frau Dirnberger auch zukünftig, wenn die Ganztagesbetreuung weiter ausgebaut ist. „Wir können uns gut vorstellen, in die Ganztagesbetreuung sozial-pädagogische Angebote zu integrieren. Aber es ist ganz wichtig zu sagen, dass die Schulkindbetreuung nicht unsere sozialpädagogische Arbeit ersetzen kann. Die Kinder brauchen beides.“

 

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Katharina Dirnberger leitet den Fachbereich Jugend und Familie der AWO Ludwigsburg
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