es könnte auf den ersten Blick so einfach sein. Die schlechten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft reißen nicht ab. Besonders die Automobilbranche in und um Stuttgart ist betroffen. „Droht Stuttgart, das nächste Detroit zu werden?“, fragte Die Zeit kürzlich schwarz-malerisch. Und auch im Bekanntenkreis ist immer öfter von Abfindungsangeboten oder Programmen zur beruflichen Weiterentwicklung die Rede. Auf der anderen Seite steht seit Jahren fest: Der Fachkräftemangel in sozialen Berufen ist eklatant. Darüber wird seit geraumer Zeit viel gesprochen und geschrieben, selbst die Politik ist sich ausnahmsweise einig. Schulen wir die Ingenieur*innen also einfach zu dringend benötigten Pfleger*innen um?
Erinnern wir uns an die sogenannten „Schleckerfrauen“. Umschulungen waren schon damals kein Allheilmittel. Klar, ein Punkt ist die erforderliche Ausbildung. Vor allem aber wird vergessen: Steht es schlecht um die Wirtschaft, dann ist auch die Sozialwirtschaft betroffen. Schon nach den ersten Negativmeldungen von Daimler, Porsche und Co. bereitete sich der soziale Sektor auf schlechtere Zeiten vor. Spätestens zwei Jahre nach den Meldungen wird es dann knapp.
Die Sozialwirtschaft wird gern als separiert betrachtet – als würden die Angebote gemeinnütziger Träger irgendwie parallel existieren. Die enge Verzahnung wird aber in Krisenzeiten besonders deutlich spürbar. Gehen die Gewerbesteuereinnahmen zurück, dann fehlt das Geld in den Kommunen und beim Landkreis. Die daraus resultierenden Sparmaßnahmen kommen unmittelbar im Sozialbereich an. Auch in der öffentlichen Daseinsvorsorge wird gekürzt, eingefroren und abgeschafft. Davon liest man momentan in jeder Zeitung. Aber kommt es uns am Ende wirklich billiger, wenn Angebote aus dem sozialen Bereich gekürzt werden? Ich wage es zu bezweifeln.
Aber zurück zum Ausgangsthema: Wohin mit den Fachkräften? Die soziale Branche kann da selten aushelfen. Zum einen wegen der benötigten Qualifizierung, vor allem aber, weil die Branche genauso betroffen ist. Weniger Steuereinnahmen bedeuten eben auch: kaum neue Angebote und Kürzung der bestehenden. Es wird wohl noch etwas dauern, bis jede freie Stelle in den Kitas besetzt ist.
Wir müssen uns alle gemeinsam kümmern und die Menschen unterstützen, die der Krise zum Opfer fallen. Genau hier kommt die Sozialbranche und ihre Bedeutung für den sozialen Frieden ins Spiel. Sie merken es: Wenn wir über die Herausforderungen und Probleme der Wirtschaft sprechen, dann geht es nicht nur um konkrete Unternehmen und Branchen. Es geht um das Gesamtbild, um unsere Gesellschaft. Wir dürfen nicht das eine gegen das andere ausspielen, sondern müssen gemeinsam versuchen, die Herausforderungen zu meistern. Wirtschaft und Sozialwirtschaft auf Augenhöhe.

