Vortrag "Schuld sind die Geflüchteten?" mit Joachim Glaubitz

Joachim Glaubitz während seinem Vortrag

Angesichts des Ausgangs der Bundestagswahlen im Februar und der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung war der Vortrag von Joachim Glaubitz (Caritas)…

Unter dem provokanten Titel „Schuld sind die Geflüchteten?“ legte Herr Glaubitz dar, wie stark Sprache, Medien und politische Rhetorik unsere Wahrnehmung beeinflussen – oft ohne, dass wir es überhaupt bemerken.

„Sprache schafft Realität“ – dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag. Begriffe wie „Remigration“ oder „Überfremdung“ – einst Randphrasen – sind heute durch die dauerhaften Parolen der AFD salonfähig geworden und tauchen zunehmend in politischen Debatten im Bundestag auf. Diese schleichende Verschiebung öffnet die Türen für eine Normalisierung rechter Ideologien. Was früher Empörung ausgelöst hätte, wird heute stillschweigend hingenommen. „Es gibt keinen Moment, an dem Faschismus plötzlich da ist – es ist ein schleichender Prozess“, so Glaubitz. Eine Aussage, die im Raum nachhallte.

Ein besonderer Fokus lag auf der medialen Instrumentalisierung: Laut einer Studie der Hochschule Macromedia (Hestermann, 2023) liegt der Anteil an Berichterstattung über Straftaten mit ausländischen Tatverdächtigen bei über 80 %, obwohl laut Polizeistatistik der überwiegende Anteil (68,5 %) von Deutschen verübt wird. Dieses Missverhältnis erzeugt ein verzerrtes Bild, welches der AfD gezielt in die Karten spielt und die öffentliche Meinung manipuliert.

Herr Glaubitz machte deutlich, dieses verzerrte Bild entsteht bei uns allen im Kopf. Es ist jedoch wichtig dieses Bild immer wieder zu hinterfragen, zu reflektieren und die Faktenlage zu bewerten. Dennnicht Migration ist das Problem, sondern strukturelle Mängel – etwa Wohnraummangel, fehlende Kita-Plätze oder ein überlastetes Gesundheitssystem. Diese Themen würden fälschlicherweise mit Migration verknüpft und so instrumentalisiert.

Doch es blieb nicht bei Kritik: Der Vortrag bot auch konkrete Handlungsmöglichkeiten. Es gehe nicht immer darum, Meinungen zu ändern – das ist nur schwer möglich, sondern Gegenrede zu leisten, Haltung zu zeigen – für die, die mit uns im Raum sind und zuhören. Schon einfache Sätze wie „Das klingt menschenverachtend – dem stimme ich nicht zu“ können ein wichtiges Zeichen setzen.

Drei Ebenen des Handelns stellte Glaubitz in den Mittelpunkt:

  1. Mechanismen erkennen – wie wirken Sprache, Medien und Politik,
  2. Fakten kennen – z.B., dass zwei Drittel der 2015 Geflüchteten heute erwerbstätig sind und ihren Teil in unsere Sozialkasse zahlen,
  3. Emotionen zulassen – Geschichten gelungener Integration erzählen und den Menschen mit ihrer verzerrten Wahrnehmen dort begegnen, wo sie stehen und sie an Ihrem Standpunkt abzuholen.

„Wir dürfen nicht nur über Probleme reden, wir müssen auch Hoffnung machen“, sagte Glaubitz zum Abschluss. Hoffnung auf ein solidarisches Miteinander – und auf eine Debattenkultur, die nicht spaltet, sondern verbindet.

Gerade in Zeiten politischer Umbrüche und wachsender Polarisierung war dieser Vortrag ein dringender Appell, nicht sprachlos zu bleiben, sondern Verantwortung zu übernehmen – im Gespräch, im Alltag und im Miteinander.

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