Die Entstehung und Entwicklung von Frauenhäusern ist eine bedeutende Geschichte, die oft von unermüdlichem Engagement und dem Einsatz für die Rechte von Frauen und Kindern geprägt ist. In Ludwigsburg wie auch in vielen anderen Städten ist die Arbeit von Frauenhäusern ein entscheidender Beitrag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und zur Unterstützung von Opfern von häuslicher Gewalt.
Aus diesem Grund fand das politische Frauenfrühstück der AWO Ludwigsburg in diesem Jahr unter dem Thema “Ein Frauenhaus für Ludwigsburg - damals und heute” statt.
Der Beitrag von Erika Raupp, Gründungsmitglied des Vereins „Frauen helfen Frauen“ für das erste Frauenhaus in Ludwigsburg, bot einen einzigartigen Einblick in die Entstehungsgeschichte und den Herausforderungen, die mit der Gründung und dem Betrieb eines Frauenhauses verbunden waren.
Auch Arezoo Shoaleh, als Leitung Pädagogik, gab spannende Einblicke in die pädagogischen und therapeutischen Aspekte der Arbeit mit den betroffenen Frauen und Kindern. Ihr Fachwissen über die Bedürfnisse und Herausforderungen, mit denen Frauen in Not konfrontiert sind, ist von zentraler Bedeutung, um den psychosozialen Aspekt der Frauenhausarbeit zu verstehen.
Judith Raupp, die seit November für die Finanzen und Verwaltung zuständig ist, brachte eine wichtige Perspektive in Bezug auf die organisatorischen und finanziellen Herausforderungen, die mit der Führung eines Frauenhauses verbunden sind. Die Sicherstellung einer nachhaltigen Finanzierung sind für das Fortbestehen solcher Einrichtungen unerlässlich. Im Gegensatz zu anderen Hilfen in existenziellen Notlagen gibt es noch keine gesetzliche Grundlage für den Betrieb von Frauenhäusern. Dies soll sich mit dem Bundesgewalthilfegesetz ab 2032 ändern.
Das Frauenfrühstück mit rund 60 Teilnehmerinnen zeigt, wie wichtig der Austausch über diese Themen sind und wie sehr der Dialog zu einer lebendigen Diskussion führt. Es wird deutlich, dass sich die Bedürfnisse der betroffenen Frauen heute nicht nur auf unmittelbare Hilfe konzentrieren, sondern auch auf langfristige Unterstützung, Schutz und Prävention vor Gewalt.
Arezoo Shoaleh hebt die Lobbyarbeit hervor, die weiterhin notwendig ist, um den Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt zu gewährleisten. Wie sie richtig sagt, sind solche Gespräche oft unangenehm, insbesondere wenn politische oder gesellschaftliche Widerstände überwunden werden müssen. Dennoch ist es wichtig, dass sich alle überparteilich für die Sicherheit und das Wohl von Frauen und Kindern einsetzen, um ein starkes Signal gegen Gewalt zu setzen. Diese gemeinsame Einigkeit, trotz unterschiedlicher politischer Ansichten, zeigt, wie zentral der Schutz von Frauen und Kindern ist, unabhängig von politischen oder gesellschaftlichen Unterschieden. Dies unterstrichen auch die anwesenden Lokalpolitikerinnen: Vom Gemeinderat waren anwesend Selin Akin (Freie Wähler), Dr. Uschi Traub und Angelika Fritz (beide CDU) und Arezoo Shoaleh (Bündnis 90/ Die Grünen) sowie Juso Vorsitzende Nathalie Ziwey (SPD). Auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Cynthia Schönau war zum Frauenfrühstück der AWO gekommen.
Die Politikerinnen ergänzten die Vorträge der drei Frauen vom Verein „Frauen für Frauen“ mit ihrem Wissen und Erkenntnissen aus der Lokalpolitik. So berichtet Uschi Traub auch vom Gesundheitsaspekt, den es mit sich bringt, wenn Frauen nicht zeitnah Unterstützung nach Gewalt bekommen können. Sie bittet alle Teilnehmerinnen um Hilfe bei der Bekanntmachung des Angebots „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“. Selin Akin spricht sich deutlich für die Unterstützung von Frauen durch Frauenhäuser aus, ebenso wie Nathalie Ziwey, die eigentlich die Landes- und Bundespolitik in der Verantwortung sieht, “aber vor Ort müssen auch die Landkreise und Städte ihren Beitrag leisten, da diese unmittelbar die Situation vor Ort sehen und den Frauen die notwendige Unterstützung bieten müssen, wenn Land und Bund dies nicht tun.”
Die rege Diskussion mit den Teilnehmerinnen des politischen Frauenfrühstücks im Anschluss macht deutlich, wie sehr das Thema Schutz vor Gewalt die Frauen bewegt. Nicht nur zum Frauentag müssen wir dafür kämpfen. Und das werden wir weiter tun, war das Fazit des Frauenfrühstücks der AWO Ludwigsburg 2025.

