Dauerwelle, Vokuhila und Schulterpolster prägten das Straßenbild. Politisch war das Jahrzehnt von Gegensätzen bestimmt: Mit dem Nuklear-Fehlalarm 1983 gehörte es zu den gefährlichsten Phasen des Kalten Krieges, gleichzeitig endete das Jahrzehnt mit dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung.
Auch kulinarisch veränderte sich Deutschland. Der „Italiener an der Ecke“ war längst etabliert, ebenso griechische Lokale und Balkanrestaurants. Die ehemaligen Gastarbeiter*innen waren heimisch geworden und bereicherten mit ihren Küchen den Speiseplan vieler Menschen.
Zugleich wurde die Ernährung immer individueller. Zwischen 1979 und 1989 stieg die Zahl der Naturkost- und Bioläden von rund 100 auf über 1000. Parallel dazu boomten Fast Food und Tiefkühlkost. Während 1960 erst 24 Tiefkühlprodukte erhältlich waren, wuchs das Angebot innerhalb von zwanzig Jahren auf rund 400 Artikel an. Zudem eröffnete 1983 in der Ludwigsburger Filiale in der Porschestraße der erste McDrive Deutschlands.
Für unsere Bewohner*innen hat das Küchenteam eine überbackene Zwiebelsuppe zubereitet, die in den 1980er-Jahren aus Frankreich den Weg nach Deutschland fand. Als Hauptgang gab es Schaschlik-Spieße in einer deftigen Soße, serviert mit Pommes frites und Leipziger Allerlei. Letzteres wurde in den 1980er-Jahren zum Synonym für eine Gemüsemischung. Im Zeitalter der Tiefkühlkost verzichtete man auf die ursprünglich enthaltenen, teureren Zutaten wie Morcheln und Flusskrebsschwänze. So entwickelte sich die preisgünstige Mischung aus Pariser Karotten, Erbsen, Spargel und grünen Bohnen zum Kassenschlager. Als vegetarische Alternative bereitete unsere Küche Blumenkohl mit einer cremigen Béchamelsauce und Käse zu.
Zum Abschluss gab es Tiramisu, das sich in den 1980er-Jahren zum Kultdessert entwickelte. Anfangs war der dafür benötigte Mascarpone vor allem in italienischen Feinkostgeschäften erhältlich, doch im Laufe des Jahrzehnts fand er seinen Weg in immer mehr Supermarktregale und wurde allgemein verfügbar.


