„Ich wünsche mir, dass meine Familie endlich wieder in Frieden und Sicherheit leben kann.“

In der vorläufigen Unterkunft am Römerhügel in Ludwigsburg gibt es bis zu 88 Schlafplätze. Derzeit wohnen hier 22 Personen

Artem ist 18 Jahre alt und vor wenigen Tagen aus der Ukraine geflüchtet. Wir haben mit ihm in der Unterkunft Römerhügel gesprochen. 

Ende August 2025 lockerte die Ukraine das seit Beginn des russischen Angriffskriegs bestehende Ausreiseverbot für Männer zwischen 18 und 60 Jahren. Männer im Alter von 18 bis 22 Jahren dürfen seitdem legal ausreisen. Etwa 100.000 junge Männer haben anschließend das Land verlassen. 

Einer davon ist Artem*, 18 Jahre alt. Er stammt aus der südostukrainischen Region Dnipropetrowsk. Wir haben mit ihm über die Situation in seiner Heimat, seine Familie und seine Ziele in Deutschland gesprochen.

Sie sind Ende Februar in Deutschland angekommen. Wie haben Sie die Kriegsjahre in Ihrer Heimat erlebt?

Mein Land ist seit vier Jahren im Krieg. Die Region Dnipropetrowsk, in der meine Familie lebt, ist in der Nähe der Front. Russische Soldaten dringen immer wieder in meine Heimat ein und töten Menschen. 

Die Russen greifen Kraftwerke, Tankstellen und die Wasserversorgung an. Wir haben jeden Winter im Schutzraum verbracht, oft ohne Heizung und fließendes Wasser. Es gab ständig Angriffe und Explosionen, weil sich in der Nähe ein Militärflughafen befindet. 

Wann haben Sie entschieden, nach Deutschland zu fliehen?

Mit 16 Jahren habe ich mein Studium begonnen. An meinem 18. Geburtstag erhielt ich die Vorladung, mich bei der Militärverwaltung zu melden. Deshalb bin ich nach Deutschland geflohen. 

Wie geht es Ihrer Familie? Haben Sie Geschwister?

Meine Schwester ist zwölf Jahre alt. Wenn sie älter ist, dann wird sie auch versuchen, das Land zu verlassen. Ich werde mich in Deutschland um sie kümmern und ihr helfen, ein Studium zu beginnen. In der Ukraine gibt es derzeit aufgrund des Krieges keine Möglichkeit, gefahrlos zu studieren. Das Risiko ist einfach zu hoch.

Meine ganze Familie ist in Gefahr, ich telefoniere täglich mit meinen Eltern. Sie berichten von Explosionen und russischen Drohnen, die durch die Stadt fliegen. Meine Mutter könnte das Land verlassen, aber mein Vater darf nicht ausreisen. Einen Auslandsreisepass bekommt er nicht. 

Sind Sie allein nach Deutschland gekommen? Sind Freund*innen mit Ihnen geflohen?

Nein, ich bin ganz allein. Ich habe niemanden hier, keine Verwandten, keine Freunde und auch keine Bekannten. 

Sind noch viele junge Menschen in der Ukraine, denen droht, zum Militärdienst eingezogen zu werden?

Ja, es gibt viele junge Menschen. Erst letztes Jahr wurde ein Gesetz erlassen, das es jungen Männern unter 23 Jahren erlaubt, das Land zu verlassen. Ich glaube, es haben über 100.000 Menschen in den Tagen danach die Ukraine verlassen. Unsere Kommunalverwaltung erwägt, dieses Gesetz zu streichen und alle Männer über 18 Jahren zurückzuhalten, um sie in die Reserve und dann an die Front zu schicken. 

Was sind Ihre Ziele hier in Deutschland? Wie geht es für Sie weiter?

Ich bin sehr dankbar, dass mir Deutschland und die Menschen hier geholfen haben. Ich möchte hierbleiben, die Sprache lernen und studieren. Mir gefällt alles, besonders die Sicherheit und Souveränität des Landes. Ich wünsche mir, dass meine Familie auch nach Deutschland zieht und in Sicherheit ist.

In der Ukraine habe ich begonnen, Metallurgie (Anm.: Wissenschaft von der Gewinnung der Metalle aus Erzen) zu studieren – das ist in meiner Heimat sehr gefragt. Es gibt dort ein großes Werk von Interpipe, einem Industrieunternehmen, das Stahlrohre und Eisenbahnräder herstellt. Aber das Werk steht ständig unter Beschuss und es ist dort zu gefährlich. Deshalb möchte ich in Deutschland an einer Universität weiterstudieren, meinen Abschluss machen und vielleicht hier in den Technologiesektor einsteigen. 

Was wünsche Sie sich für Ihre Heimat und Ihre Familie?

Meiner Heimat und Europa wünsche ich, dass der Krieg endlich beendet wird und sich nicht weiter ausbreitet. Leider sind viele Politiker in den Krieg und die Verhandlungen involviert, denen das Leid in der Ukraine völlig egal ist. 

Für meine Familie wünsche ich mir, dass wir einfach wieder in Frieden und Sicherheit leben können.

 

*Artem heißt eigentlich anders. Er hat uns gebeten, seinen echten Namen nicht zu veröffentlichen, da er anonym bleiben möchte. Das Interview wurde teilweise mit einem automatischen Übersetzungsprogramm geführt, daher kann es zu Ungenauigkeiten kommen. Seine Aussagen können wir nicht überprüfen. 

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