Unverzichtbar und doch bedroht: Das Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg

Martin Zahner (Vorsitzender des ALZ), Carolin Martin (Migrationsberatung AWO Ludwigsburg), Annegret Jeziorski (Sozialberaterin im ALZ) und Bernd Steuer (Geschäftsführer und Kassierer des ALZ)

Seit 43 Jahren hilft und berat das ALZ Ludwigsburg Arbeitslose und ist selbst gefährdet. 

Seit 43 Jahren unterstützt und berät das Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg e. V. (ALZ) arbeitslose Menschen und jene, denen der Jobverlust droht. Die Arbeit des gemeinnützigen Vereins ist wichtiger denn je. Trotzdem muss er um seine Existenz fürchten. 


„Arbeitslose haben in Deutschland keine Lobby und zu wenig unabhängige Unterstützung“, sagt Martin Zahner, Vorsitzender des ALZ. Manche Menschen würden regelrecht an der Arbeitslosigkeit zerbrechen und seien in einem Hamsterrad aus Angst und Scham gefangen. Sie wüssten nicht mehr, wofür sie morgens aufstehen sollen, berichtet er von seiner Erfahrung mit Klient*innen. 

Genau hier unterstützt das ALZ, das 1983 von sozial engagierten Menschen gegründet wurde. Dabei geht es nicht nur um fachliche Expertise, sondern auch darum, zuzuhören, Hoffnung zu geben und die Menschen mit ihren Sorgen ernst zu nehmen. 

Als langjähriger Betriebsseelsorger und Diplom-Theologe sieht Martin Zahner die hohe psychische Belastung, der Arbeitslose ausgesetzt sind. Die Entscheidungen des Jobcenters würden von den Betroffenen oft auf der Beziehungs-, nicht der Sachebene wahrgenommen. Viele erlebten depressive Episoden. Sie brauchten Wertschätzung, ein persönliches Gespräch und Beratung, um mit der neuen Situation umgehen zu können.

Arbeitslose sind oft gefangen in einem Hamsterrad aus Angst und Scham
 

Deshalb besteht 80 Prozent der Arbeit des ALZ aus individueller Beratung, Unterstützung bei behördlichen Anträgen, dem Schreiben von Bewerbungen oder Hilfe, die persönlichen Finanzen zu ordnen. Annegret Jeziorski ist die einzige Festangestellte, alles Weitere decken ehrenamtliche Helfer*innen ab. Etwa 10 Personen engagieren sich regelmäßig im ALZ. Fast 1500 Beratungen wurden 2025 durchgeführt, der größte Teil davon persönlich, jeweils ein Zehntel telefonisch oder per E-Mail. 

„Das Jobcenter hilft nicht individuell dabei, Anträge korrekt und vollständig auszufüllen – das fällt aber vielen Menschen schwer“, sagt Bernd Steuer, Geschäftsführer und Kassierer des ALZ. Die ersten Schritte sein deshalb, gemeinsam Bescheide durchzugehen und zu verstehen, Ansprüche zu klären und Anträge korrekt zu stellen. Dabei helfe auch der gute Kontakt zu den Mitarbeiter*innen der Widerspruchsstelle – viele Probleme ließen sich telefonisch klären, da dem Jobcenter die Hintergrundinformationen zu einzelnen Anträgen fehlten. Über die Jahre haben die Mitarbeiter*innen gute Kontakte zu den Behörden aufgebaut und treffen sich jedes Jahr persönlich mit der Leitung des Jobcenters, um die Zusammenarbeit zu verbessern. 

Unabhängig, vertraulich und auf der Seite der Klient*innen
 

In seiner Beratung ist das ALZ jederzeit unabhängig, Gespräch sind vertraulich und es werden keine Informationen an das Jobcenter weitergegeben. Der Verein ist für die Klient*innen da und kein verlängerter Arm der Behörden – das schafft Vertrauen. Bislang finanziert sich das ALZ durch Förderungen von Stadt und Land. Ludwigsburg übernimmt mit 10.000 € jährlich einen Großteil der Miete der Räume in der Hoferstraße 8, der Rest wird über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Über das Landesprogramm „Neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt“ wird die einzige hauptamtliche Sozialberaterin finanziert. „Wir blicken mit großer Sorge auf die angespannte Finanzlage der Stadt Ludwigsburg. Die Förderung der Stadt ist überlebenswichtig, da sie Voraussetzung dafür ist, dass wir die Landesförderung bekommen. Bricht sie weg, dann fällt die hauptamtliche Beratung“, sagt Bernd Steuer. Der Verein müsste dann versuchen, alles über Spenden und Mitgliedsbeiträge zu finanzieren und das Beratungsangebot stark reduzieren. „Für die arbeitslosen Menschen, die Hilfe brauchen, wäre das fatal“, sagt er. In jedem Fall werde sich der Verein weiter engagieren und so lange wie möglich eine Lobby für Arbeitslose sein. 
 

Wer das Arbeitslosenzentrum Ludwigsburg unterstützen möchte, findet Mitgliedsantrag und Spendenkonto unter alzludwigsburg.de

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